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gegen die Suchtgefahren e.V.
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Aktuelles

Nächster Rauchfreikurs im Januar und Februar 2019

Ort: Carus Vital | freie Plätze: 10

Termine:
Mo, 07.01.2019, 18:00-21:00
Mo, 14.01.2019, 18:00-19:30
Mo, 21.01.2019, 18:00-21:00
Mo, 28.01.2019, 18:00-19:30
Mo, 04.02.2019, 18:00-19:30

Anmeldeformular Kontakt

Falls Sie zu den ausgeschriebenen Zeiten nicht an einem Kurs teilnehmen können, kontaktieren Sie uns gerne telefonisch, per E-Mail oder über unser Kontaktformular. Wir werden dann versuchen, Ihre persönlichen Verfügbarkeiten bei der Planung der nächsten Kurse zu berücksichtigen.

Telefonische Sprechzeiten:
Dienstag 9:00 bis 12:00
Mittwoch 11:00 bis 13:00

Außerhalb unserer Sprechzeiten können Sie Ihre Anfragen auch gern auf unseren Anrufbeantworter sprechen. Wir rufen Sie dann umgehend zurück oder schicken Ihnen die gewünschten Informationen zu.

Die Seite wurde am 13.11.2018 zuletzt geändert.

Pressespiegel

Die mit einem Asterisk (*) versehenen Beiträge stellen wir Ihnen gerne auf Anfrage zur Verfügung.

 

Studien zur Rauchentwöhnung

In unserer Forschungsgruppe interessieren wir uns besonders für den Einfluss von Nikotin auf Gehirnprozesse. Um diese bildlich darstellen zu können, untersuchen wir unsere Probanden im Magnetresonanztomographen (MRT, auch bekannt als Kernspintomograph). Dieses Verfahren arbeitet mit Magnetfeldern, wodurch unsere Versuchsteilnehmer keiner radioaktiven Strahlung ausgesetzt sind. Wir führen sowohl strukturelle als auch funktionelle Messung durch.

Strukturelles MRT: Die Atomkerne im Gehirn drehen sich ständig um die eigene Achse. Diese Bewegung erzeugt ein minimales Magnetfeld. Mithilfe des MRT kann man die Magnetisierung messen und daraus ein Bild des Gehirns berechnen, in dem sich einzelne Strukturen voneinander unterscheiden lassen.

Funktionelles MRT (fMRT): Ist ein Gehirnareal bei einer bestimmten Aufgabe (z.B. dem Betrachten von Bildern) aktiv, fließt als Reaktion darauf vermehrt sauerstoffreiches Blut in diesen Bereich. Dort verändert sich das Verhältnis von sauerstoffreichem zu sauerstoffarmem Blut zugunsten des sauerstoffreichen Blutes. Diese Veränderung hat auch einen Einfluss auf die magnetischen Eigenschaften des Blutes, was über eine Serie von aufgenommenen Bildern sichtbar gemacht werden kann. In diesem Zusammenhang sprechen wir von einer Aktivierung des Gehirns, da die Veränderung des Blutflusses einen Rückschluss auf die Aktivität in einer bestimmten Region des Gehirns ermöglicht.

Furchtlose Raucher? Nikotin macht Nichtraucher ängstlicher

Kobiella et al. (2010)

Was macht es Rauchern so schwer, der täglichen Zigarette dauerhaft abzuschwören? Ein Grund dafür könnte sein, dass sich die Reaktion auf das enthaltene Nikotin mit der Zeit verändert. Verabreicht man Rauchern Nikotin, beispielsweise in Form von Kaugummis, zeigen sich überwiegend positive Effekte. So berichten Raucher, dass eine Zigarette zur richtigen Zeit bei ihnen angstlösend, stressreduzierend oder sogar stimmungshebend wirken kann. Personen, die in ihrem Leben gar keine oder nur sehr wenige Zigaretten geraucht haben, reagieren dagegen sehr unterschiedlich auf Nikotin. In einer unserer Studien bewirkte die Gabe von Nikotin, dass Nichtraucher nach dem Betrachten unangenehmer Bilder mehr Angst empfanden. Zusätzlich war die Aktivität in Gehirnarealen verstärkt, welche mit der Verarbeitung von Emotionen in Zusammenhang stehen. Allerdings trat dieser Effekt lediglich bei der Darbietung negativer emotionaler Bilder auf - für positive oder neutrale Bilder fanden sich keine Unterschiede.
Wie lässt sich dieser Unterschied zwischen Rauchern und Nichtrauchern erklären? Vieles deutet darauf hin, dass sich das Gehirn bei Rauchern auf den langjährigen Nikotinkonsum einstellt. In der ersten Zeit als Raucher steigt die Anzahl der gerauchten Zigaretten typischerweise mit jedem Monat an , weil sich das Gehirn an das enthaltene Nikotin schrittweise gewöhnt und damit höhere Spiegel auch besser vertragen ("toleriert") werden. Studien im Tiermodell deuten darauf hin, dass lediglich bei sehr hohen Nikotinspiegeln angstlösende Effekte erzielt werden können, weil hier die gewöhnliche Funktion der zugrundeliegenden Hirnareale gestört wird. Somit wäre die angstlösende Wirkung ein Nebenergebnis einer körperlichen Abhängigkeit und weniger eine vermeintlich positive Wirkung von Tabak. Möglich wäre zudem auch, dass Nikotin bei einigen Menschen natürlicherweise eine positive Wirkung hat, während andere negativ darauf reagieren. Da viele von uns als Jugendliche Zigaretten "probieren", könnte dieser Unterschied dazu führen, dass Menschen, die anfangs stärkere positive Effekte verspüren möglicherweise stärker gefährdet sind, eine Abhängigkeit zu entwickeln.

Führt Nikotin bei Nichtrauchern zu ähnlichem Belohnungsverhalten wie bei Rauchern?

Kobiella et al. (2013)

Wenn Sie sich zwischen zwei Geldbeträgen entscheiden müssten, welchen würden Sie wählen: 5€ sofort oder 20€ in 2 Wochen? Falls Sie sich für die 20€ in zwei Wochen entschieden haben, wären Sie dann auch bereit auf lediglich 6€ 2 Wochen zu warten oder würden Sie dann lieber die 5€ sofort mitnehmen? Wir untersuchten das Wahlverhalten von Nichtrauchern und Raucher bei dieser Aufgabe während wir die Aktivierung des Gehirns mittels funktioneller Magnetresonanztomographie aufzeichneten. Während sich Nichtraucher und Raucher in der Aktivierung ihres Gehirns während der Aufgabe in einigen Hirnarealen unterschieden, führte die Gabe von Nikotin bei den Nichtrauchern zu einer ähnlichen Aktivierung des Gehirns wie bei Rauchern. Diese Angleichung in der Hirnaktivität schlug sich allerdings nicht in den Entscheidungen der Nichtraucher nieder. Während das Gehirn also offenbar bereits nach einer einmaligen Gabe von Nikotin eine Veränderung zeigt, reicht diese nicht unmittelbar aus, um sich auch direkt im Verhalten widerzuspiegeln. Hier könnte allerdings wiederholtes Rauchen zu einer dauerhaften Veränderung führen, die sich schlussendlich auch im Verhalten niederschlägt. Wir haben deswegen auch weitere Studien zu einer Veränderung des Gehirns nach einem erfolgreichen Rauchstopp durchgeführt, um zu prüfen, ob sich das Gehirn bei der Bearbeitung der Aufgaben wieder in Richtung eines Nichtrauchers verändert. Erste Ergebnisse deuten hier darauf hin, dass sich das Gehirn teilweise "erholen" kann.

Die unattraktive Taube auf dem Dach: Jugendliche, deren Mütter während der Schwangerschaft rauchten, reagieren weniger stark auf eine in Aussicht gestellte Belohnung.

Müller et al. (2013)

Der Griff zur Zigarette in der Schwangerschaft hat eine Vielzahl negativer Auswirkungen auf das sich entwickelnde Kind. Diese zeigen sich teilweise auch erst im späteren Leben. So steigt bei betroffenen Personen das Risiko, später selbst eine Substanzabhängigkeit zu entwickeln.
Wissenschaftliche Erkenntnisse legen nahe, dass unser Belohnungssystem hierfür eine zentrale Rolle spielt. Aus diesem Grund interessierten wir uns dafür, ob Jugendliche, deren Mütter während der Schwangerschaft geraucht hatten, Belohnungen anders verarbeiten. Dazu werteten wir Daten der IMAGEN-Studie aus, einer europaweiten Kooperation zur Untersuchung von Impulsivität, Belohnungssensitivität und Emotionsverarbeitung bei Jugendlichen.
In einem computergestützten Experiment stellten wir unseren Teilnehmern Gewinne in Aussicht, welche sie durch möglichst schnelles Drücken einer Taste erhalten konnten. Anschließend wurde ihnen mitgeteilt, wie viel sie gewonnen hatten. Es zeigte sich, dass Jugendliche deren Mütter während der Schwangerschaft geraucht hatten eine geringere Aktivierung im "Belohnungszentrum" des Gehirns auswiesen, wenn ihnen ein Gewinn in Aussicht gestellt wurde.
Die Stärke der Aktivierung korrespondiert in der Regel mit Angaben, wie reizvoll der Gewinn für uns ist. Eine mögliche Interpretation für unser Ergebnis ist folglich, dass Jugendliche, die vor ihrer Geburt mütterlichem Zigarettenkonsum ausgesetzt waren, Belohnungen weniger stark als belohnend empfinden. Interessanterweise zeigte sich aber kein Unterschied in der Aktivierung des Belohnungszentrums, wenn der Gewinn schließlich erfolgte. Diese Diskrepanz könnte eventuell dazu führen, dass die Jugendlichen intensivere Anreize suchen, selbst wenn diese mit Risiken wie gesundheitlichen Schäden verbunden sind, da auch andere Studien inzwischen nahelegen, dass eine verminderte Aktivierung des Gehirns auf die Ankündigung von möglichen Belohnungen mit einem höheren Risiko einer Abhängigkeitserkrankung verknüpft ist.

Ist Nikotin ein geeigneter Appetitzügler?

Kroemer et al. (2013), Kroemer et al. (2015)

Ein häufiger Grund, nicht mit dem Rauchern aufhören zu wollen, ist die Angst vor einer möglichen Gewichtszunahme. Tatsächlich wiegen Raucher tendenziell weniger als Nichtraucher und in Tierstudien wurde beobachtet, dass eine Nikotingabe die Nahrungsaufnahme der Versuchstiere reduzierte. Beim Menschen führt der Rauchstopp im Mittel zu einer geringen Gewichtszunahme (ca. 2-5kg). Allerdings ist die Spannbreite sehr groß und es nehmen in etwa genauso viele Raucher mehr als 10 kg zu wie Raucher nach dem Rauchstopp sogar abnehmen (jeweils ca. 1/8). Deswegen sind die Auswirkungen eines Rauchstopps auf das Gewicht stark von dem individuellen Risiko abhängig. Lange Zeit glaube man, dass das Rauchen den Grundumsatz an Kalorien erhöht und somit Zigaretten helfen könnten eine schlankere Linie zu behalten. Das erwies sich in den letzten Jahren allerdings als unzureichende Begründung. Vielmehr wirkt das Rauchen durch komplexe hormonelle, neuronale und Verhaltenseffekte.
Wir interessierten uns dafür, welche Auswirkungen Nikotin auf den Appetit sowie Gehirnareale und Hormone haben würde, die bei Hunger, Nahrungsaufnahme und darauffolgender Sättigung eine wichtige Rolle spielen. Das Kauen eines Nikotinkaugummis bewirkte auch bei Nichtrauchern, dass sie in nüchternem Zustand etwas weniger Appetit beim Anblick von Essensbildern verspürten. Dieser Effekt wurde allerdings aufgehoben, sobald die Teilnehmer ein kalorienhaltiges Getränk zu sich genommen hatten.
Eine Veränderung durch die Nikotingabe zeigte sich auch neuronal. Unser Gehirn verfügt über ein Netzwerk, welches - vergleichbar mit einer Tankanzeige - den Energiehaushalt des Körpers rückmeldet und schließlich darüber auch das Verhalten regulieren kann. So kennen Sie sicher, dass wir auf Essenreize in unserer Umgebung stärker reagieren, wenn wir hungrig sind. Genau in diesem "Energienetzwerk" des Gehirns beobachteten wir eine schwächere Reaktion auf Essensbilder nach der Gabe von Nikotin. Es lässt sich daraus also ableiten, dass Nikotin wohlmöglich die Weitergabe des Hungergefühls, zumindest nach einer längeren Zeit ohne Mahlzeit, verringert. Dieses Energienetzwerk kommuniziert zudem mit Arealen, die zum Belohnungszentrum gehören. Die Kommunikation zwischen beiden Netzwerken war während der Präsentation von Essensbildern unter Nikotineinfluss ebenfalls reduziert. Diese Ergebnisse stützen die Interpretation, dass Nikotin die Verstärkung des Appetits durch Hunger ein Stück weit reduzieren kann.
Ob wir Hunger bekommen oder uns satt fühlen, hängt auch mit bestimmten Hormonen zusammen. Sind genügend Energiereserven vorhanden, ist beispielsweise der Spiegel des Hormons Leptin im Blut erhöht, denn Leptin wird direkt in unserem Fettgewebe gebildet. Leptin wirkt appetitmindernd und hält uns so davon ab, zu viel Nahrung zu uns zu nehmen, wenn wir über ausreichend Energiereserven verfügen. Es wird davon ausgegangen, dass dieser hormonelle Regulationsmechanismus bei Personen mit Übergewicht ausgehebelt ist, sodass sie "kein Gefühl mehr" dafür haben, ob ihr Körper gerade Kalorien benötigt. Nikotin dagegen stärkte in unserer Studie den regulierenden hormonellen Einfluss von Signalen unseres Energiestoffwechsels. Dieses Ergebnis könnte erklären, weshalb gerade Raucher mit höherem Körpergewicht ebenfalls ein erhöhtes Risiko dafür haben, nach dem Rauchstopp zuzunehmen: Die bei ihnen verringerte hormonelle Kontrolle des Energiestoffwechsels wird durch den Zigarettenkonsum vorübergebend im Zaum gehalten. Diese vermeintliche Unterstützung fällt jedoch mit dem Rauchstopp weg.
Sollte man also lieber weiterrauchen, um das Gewicht besser unter Kontrolle zu halten? Leider stellt Nikotin keine geeignete Hilfe bei der alltäglichen Gewichtskontrolle dar, denn mit der Dauer der Anwendung und mit der Anzahl der gerauchten Zigaretten steigt auch das relative Risiko an Diabetes zu erkranken um bis zu 50% (im Vergleich zu Nichtrauchern). Die langfristig negativen Auswirkungen auf den Insulinstoffwechsel können damit kurzfristig positive Effekte schnell überwiegen. Gern beraten wir im Rahmen unserer Kurse auch zu besseren Strategien der Gewichtskontrolle.